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Aller Anfang ist schwer - oder vielleicht doch nicht .


Es gibt diesen einen Satz, den wir alle kennen: Aller Anfang ist schwer. Lange habe ich ihn einfach so hingenommen, wie man viele Dinge im Leben hinnimmt. Eine Redewendung, die man sagt, ohne wirklich darüber nachzudenken. Heute verstehe ich ihn anders.


Wir Menschen verbringen erstaunlich viel Zeit damit, auf den richtigen Moment zu warten. Auf den Moment, in dem wir bereit sind. In dem alles passt. In dem wir das Gefühl haben, endlich perfekt vorbereitet zu sein. Doch irgendwann musste ich erkennen, dass dieser Moment wahrscheinlich nie kommt. Perfektion ist eine Vorstellung, die wir gerne festhalten, aber das Leben hält sich selten daran. Weder im Alltag noch in der Arbeit mit Pferden.


Was es stattdessen gibt, sind Augenblicke, die sich für einen kurzen Moment vollkommen anfühlen. Sekunden, in denen plötzlich alles zusammenkommt: eine Bewegung, ein Gefühl, ein Moment, in dem Pferd und Mensch fast zu verschmelzen scheinen. Und kaum ist dieser Moment da, wird er auch schon wieder von etwas unterbrochen. Sei es einem Geräusch, einem Gedanken, einer kleinen Unsicherheit. Früher hätte ich gedacht, dass genau darin das Problem liegt. Heute glaube ich, dass genau darin die Entwicklung liegt.


Gerade in der Pferdeausbildung wird einem das sehr schnell klar. Fortschritt kommt selten laut und spektakulär. Meistens geschieht er langsam, beinahe unbemerkt. Ein Pferd, das einen Moment länger zuhört als gestern. Ein Reiter, der sich traut, eine Angst ein kleines Stück weiter loszulassen. Es sind kleine Schritte, unscheinbare Momente, die von aussen oft kaum sichtbar sind. Und doch sind es genau diese Momente, aus denen Vertrauen wächst.


Vielleicht bedeutet ein Anfang genau das: über den eigenen Schatten zu springen, obwohl man noch nicht weiss, wohin der Weg führt. Man beginnt nicht, weil man alles verstanden hat, sondern weil man spürt, dass es Zeit ist loszugehen.


Wenn ich ehrlich bin, habe auch ich sehr lange auf diesen Moment gewartet. Auf den perfekten Zeitpunkt, um meiner Leidenschaft, Nein, Berufung! wirklich Raum zu geben, um den Schritt zu machen und meinen eigenen Weg mit den Pferden zu gehen. Immer wieder dachte ich, ich müsste noch warten. Noch etwas sicherer werden, noch etwas mehr wissen, noch etwas besser vorbereitet sein.

Bis ich eines Tages gemerkt habe, dass währenddessen etwas anderes passiert: Das Leben zieht unaufhaltsam weiter.


Und plötzlich wurde mir klar, dass das Leben nicht darauf wartet, bis wir uns bereit fühlen. Es bewegt sich einfach weiter. Und wenn wir zu lange auf den perfekten Moment warten, kann es passieren, dass wir irgendwann feststellen, dass wir vor lauter Warten vergessen haben unser Leben mit all seinen Möglichkeiten leben.


Diese Erkenntnis gilt nicht nur für die grossen Entscheidungen im Leben. Gerade auch in der Beziehung zwischen Mensch und Pferd zeigt sich das immer wieder. Zu oft glauben wir, dass wir erst alles richtig machen müssen, bevor eine echte Verbindung entstehen kann oder sich ein Fortschritt zeigt. Doch Verbindung und auch Fortschritt entsteht nicht durch Perfektion. Sie entsteht durch Zeit. Durch Geduld. Durch Vertrauen. Durch Wissen. Und durch die Bereitschaft, sich in seinem eigenen Raum zu reflektieren und dann einander wirklich zuzuhören.


Diese Beziehung zwischen Pferd und Mensch ist für mich etwas Besonderes. Sie ist mehr als Training, mehr als Technik, mehr als das Erreichen eines Ziels. Sie ist ein Weg, auf dem beide Seiten lernen dürfen. Ein Weg voller kleiner Momente, die manchmal unscheinbar wirken, aber in Wahrheit alles verändern können.


Vielleicht ist genau deshalb aller Anfang schwer. Nicht, weil er uns überfordert, sondern weil er Mut verlangt. Den Mut, den ersten Schritt zu machen, obwohl wir das ganze Bild noch nicht sehen können.


Wenn du diesen Text liest, dann stehst du vielleicht selbst gerade an einem Anfang. Vielleicht mit deinem Pferd. Vielleicht in deinem eigenen Leben. Vielleicht an einem Punkt, an dem du spürst, dass etwas Neues entstehen möchte.


Dann möchte ich dich hier herzlich willkommen heissen.


Diese Seite ist ein Ort für Menschen, die bereit sind, den perfekten Moment loszulassen und stattdessen an etwas viel Wertvollerem zu arbeiten: an Vertrauen, an Verbindung und an dieser einzigartigen Beziehung zwischen Mensch und Pferd.


Denn das grosse Ganze entsteht nie auf einmal. Es entsteht aus vielen kleinen Momenten.

Und jeder dieser Momente beginnt mit einem einzigen Schritt.


von Herzen,

Deborah

 
 
 

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